Thema


Die Unerträglichkeit des gnadenlosen Wohlstands



Thema1 Wer im Wohlstand lebt, dem geht es gut… 
Geht es uns gut? Wirklich gut? Oder nur scheinbar gut? Oder was läuft nicht so gut - oder gar immer schlechter?

Menschlichkeit ist nicht unbedingt eine Beigabe des Wohlstands.

Aber sie sollte doch eigentlich leichter fallen, wenn "die Wirtschaft" brummt und uns unser Leben Konsum bis zum Überdruss erlaubt. 

Gelebter Wohlstand zeigt sich häufig von seiner unangenehmsten Seite -  ist schnell überheblich, dumm, ausgrenzend und gnadenlos.

Wir sind doch schon in einer Welt des Wohlstands groß geworden, konnten alles tun oder lassen, unser Leben leben, scheinbar ohne feste Regeln und Grenzen, mit so viel Freiheit.

Wir nehmen uns was wir wollen, ständig auf der Jagd nach etwas "Besserem". Nach einem noch tolleren Schnäppchen. Wir wollen ALLES. 
So wird es uns von Multikonzernen, Banken und Politik seit Jahrzehnten verkauft: Ständiges Wachstum!

Gierig stürzen wir uns auf alles, was unseren Konsumhunger stillen kann.

Kommt diese unbeschreibliche Gier nach mehr aus uns selbst, aus einer inneren Leere die gestopft werden will? Sind die höher, weiter, schneller, reicher Ausuferungen auf der materiellen Ebene unsere Antwort auf die Expansion des Universums? Und warum nimmt dann die Menschlichkeit, die Fürsorge, die Empathie nicht auch zu? Ist diese Schrumpfung auf seelischer Ebene der Preis dafür?

Und wohin führt uns diese exzessive Gier und die damit einhergehende Zerstörungswut im Inneren und vor allem in der äußeren Welt?
Wir wissen durchaus, was gut für uns ist - für unsere Gesundheit, die Umwelt und die Gesellschaft - dennoch handeln wir nicht danach. Warum? Was treibt uns so vehement in die Selbstsabotage?  Warum sägen wir so nachhaltig an dem Ast auf dem wir sitzen?
 
Thema2 Ist es diese unterschwellige Unerträglichkeit des so perfekt gestylten Lebens in unserer "1. Welt"?
Ist es die enorme Diskrepanz zwischen unseren inneren Gefühlen, unseren emotionalen Schmerzen, Traumata, Ängsten und den äußeren Zwängen, die jeglichen Ausdruck dessen massiv unterdrücken?

Wie kommt es zu so einer verzerrten Selbstwahrnehmung, dass wir so gegen unser besseres Wissen und Gewissen handeln und unsere eigene Gesundheit ruinieren bzw. in Folge auch unsere gesamte Existenz auf diesem Planeten?

Wie groß muss auf der einen Seite unsere Selbstverachtung sein, wie ungeliebt, wertlos und unnütz müssen wir uns in der Kindheit wohl gefühlt haben, dass wir uns selbst gegenüber und vor allem anderen keinen Respekt mehr entgegenbringen, unser eigenes Verhalten falsch deuten bzw. uns selbst nicht mehr zutrauen, die Welt oder zumindest unser eigenes Leben retten zu können.

Andererseits sind wir bereits Gefangene unserer eigenen Hybris und glauben alles im Griff zu haben oder es zumindest bald zu bekommen.

Thema3Und dabei übersehen oder verdrängen wir diejenigen, die den Preis für unsere Gier bezahlen. Wir schauen weg – ganz bewusst. Wir leben aus dem Vollen und nehmen den Anderen ihre Freiheit und ihr Leben.

Doch in Freiheit zu leben ohne das Bewusstsein, dass wir abhängig sind, von anderen, von der Natur, macht ja eigentlich keinen Sinn.

Und dann kommen "die Anderen" - Flüchtlinge, werden mehr, bleiben, nehmen den Armen Hoffnung auf Arbeit und gefühlt das Sozialgeld weg. Angst baut Grenzen auf, Hoffnung und Gemeinschaft könnte diese überwinden.
Aber die Angst vor dem Fremden lässt uns in die Steinzeit zurückfallen, dabei erkennen wir uns selbst kaum wieder.  Die dabei zunehmende Empathielosigkeit, die im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts mit Menschen verachtenden, Völker mordenden Diktaturen von oben her begann, ist heute ganz unten im normalen Alltag angekommen.

Die Parole der Wirtschaft und der Politik "Weiter so..." greift immer weniger. Doch die Alternativen sind nicht klar, sind noch zarte Pflänzchen der Hoffnung.

Fakt ist, die Konsumfixierung des Homo Oeconomicus, mit dem die neoklassisch geprägte Wirtschaftstheorie bis heute menschliches Verhalten abzubilden versucht ist nicht mehr zeitgemäß.  Der Homo Oeconomicus ist über die Maße egoistisch und selbstbezogen.
In zahlreichen Feldstudien und Laborexperimenten wurde diese Grundannahme aber längst widerlegt:
Fairness, Solidarität und Kooperation gehören sehr wohl auch zur menschlichen Natur.
 
Thema4Doch wie können wir unsere seelischen Anteile so wiederbeleben oder transformieren, dass wir unseren Mitmenschen und vor allem unserer Umwelt wieder mehr Empathie entgegenbringen können?

Könnte uns evtl. die Kunst und explizit der Tanz dabei helfen, uns wieder in den Reigen der natürlichen Abläufe zu integrieren und uns unseres gefühlsmäßigen Potentials bewusst zu werden und dieses zu entfalten?

Tanz oder Yoga, Kunst oder Musik sind symbolische Kommunikationsformen, die unsere Seele verstehen kann, da sie hier mit Bildern oder Energien gefüttert wird, die sie tief im Innersten bewegen, anrühren und ergreifen.

Tanz kann als ein Schlüssel fungieren, mit dem das verschlossene Schatzkästchen in uns wieder geöffnet werden kann, um unserer Mitgefühl zu befreien. Wir müssen wieder lernen, mehr menschliche Tiefe zuzulassen, um endlich zu erkennen, dass unsere gesamte physische Außenwelt, die Matrix, nur als Spiegel unserer eigenen Seele fungiert.

Mit unserem gemeinsamen Tanz werden wir uns der globalen Verkümmerung der Gefühle annehmen und versuchen die Verzauberung unserer Seele so zu transformieren, dass wir uns unserer Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Natur wieder bewusster zuwenden können.

Tanz als T(r)anzformation...


delta RA'i - im Juli 2019
(Dank an Caprice & Gregor für die hilfreiche Unterstützung)





alle Photos: © 2015-BeatrizGuzmann